Die kaiserlichen Häuser

 

Als die Welt noch in Ordnung war

 

In den ersten Tagen und Wochen, nachdem wir in ein Haus aus der Kaiserzeit in Berlin eingezogen waren, umgeben von anderen Häusern aus der selben Zeit, ja umgeben von einem ganzen Viertel voll mit diesen prächtigen Gebäuden, war ich ganz entzückt und berauscht von all diesen wunderbaren Häusern ringsum mich herum, schwärmte ununterbrochen von ihrer Schönheit, konnte meine Kamera nicht mehr aus der Hand legen....

 

 

Ich machte Hunderte, Tausende von Fotos, nahm mir vor, sie auch zu zeichnen und zu malen....

 

 

Ich las Artikel über diesen Stil und immer mehr auch über diese Zeit, in denen ich feststellte, dass sie so schlecht gar nicht gewesen war, wie sie in meinem inneren Vorstellungsbild verzeichnet war.....

 

 

Preußen, Berlin und der Kaiser waren in meinem bisherigen Vorstellungsbild dargestellt als militaristische, aggressiv auf Weltherrschaft zielende größenwahnsinnige Gestalten, die über Leichen gingen, das wilhelminische deutsche Reich im Inneren war darin als extrem autoritär gezeichnet, säbelrasselnd, undemokratisch, die unteren Schichten niederhaltend, es war ausbeutend, dumm provinziell in seinen gebildeten Schichten und letztlich hatte dieses Gebilde seinen Untergang auch verdient, dieses dunkle bösartige Phänomen war Gott sei Dank verschwunden und hatte dem Fortschritt Platz gemacht, der Moderne, der Demokratie, der wissenschaftlichen Entwicklung, dem fortschrittlichen angelsächsischen Geist.

 

Nicht gradlinig war diese Entwicklung verlaufen, da gab es ja noch zwischendurch diesen Rückschritt, diesen Rückfall in die Barbarei unter Hitler, aber nachdem der überstanden war wie die Windpocken als Kinderkrankheit der sich höher entwickelnden Menschheit, im besondern der deutschen Menschheit, ging es nun immer mehr bergauf.

Bis heute.

 

Aber dann schau ich mir die heutige Architektur an und wundere mich: Ist es das, ist das der höhere Zustand? Diese hässlichen von jeder Schönheit und Anmut verlassenen Kästen, diese rechteckigen, abstoßenden Gefängnisse, diese Verletzungen der sie umgebenden Natur, diese „Scheiß Drauf“- Gestalten, die auf jegliche Tradition scheißen...

 

In Ulm steht er wie ein rüpelhafter Partygast, den niemand eingeladen hat, derb sein Glas Bier in der Hand, mitten unter schönen, alten, mittelalterlichen Häusern auf dem Platz herum und sagt; Ihr könnt mich alle am Arsch lecken! Das Stadthaus des berühmten amerikanischen Architekten Richard Meier. Zur Tarnung, um seine tödlichen Absichten zu verschleiern, ist es ganz in Weiss gekleidet.

In Freiburg wendet das neue  Konzerthaus seinen Rücken dem prächtigen historistischen Theaterbau direkt hinter ihm zu, als habe es damit überhaupt nichts zu tun,  reckt seine Betonpfosten in den Himmel und protzt mit in den Himmel ragendem spitzen Vordach, als wolle es dort irgendjemanden erdolchen.

 

Überall stehen sie herum in ihrer kalten stählernen, gläsernen Pracht, in New York, Chicago, Tokyo und Shanghai, diese Stahlriesen, die Hochhäuser, und die kleinen großen Kästen für die Reichen und die ganz kleinen Kästen für die Armen.... sind sie schön? Eindrucksvoll vielleicht, jedenfalls die Hochhäuser, ja überwältigend eindrucksvoll, beeindruckend.

 

Ich erinnere mich noch sehr gut an den ersten persönlichen Eindruck von New York.

Ich war ein und zwanzig Jahre alt und nahm mit einem Freund zusammen die U-Bahn vom J.F. Kennedy Airport nach Manhattan und als ich aus dem U- Bahnschacht über eine Treppe emporsteige und ans Tageslicht komme und meinen Blick erhebe fühle ich mich augenblicklich erschlagen, zu einem Nichts zusammengeschlagen, zu einem winzigen kleinen Affen, zu einer Ameise degradiert, völlig ohnmächtig und verloren angesichts dieser Übermacht von Hochhäusern um mich herum, die auf mich niederblicken wie die Generäle einer feindlichen Armee auf den hilflosen Bauern, dem gerade sein Haus niedergebrannt und die letzte Kuh gestohlen wurde.

Mächtig sind sie die Hochhäuser, aber schön?

 

 

  

Ja natürlich sind sie auch schön, aus der Ferne gesehen, funkelnd im Licht, wechselnde Himmelsfarben wiederspiegelnd, glanzvolle Erhebungen menschlicher Schaffenskraft...

In Qingdao, China, sah ich die deutschen Bauten aus der Kaiserzeit, aus der deutschen Kolonialzeit, direkt neben den neuen Bauten chinesischer Architekten, die dem zeitgenössischen westlichen Architektur-Stil nacheifern und es war als ob man etwas Putziges Niedliches und  zart Verspieltes sähe neben etwas brutal Kaltem und Protzigem. Wobei es wohl klar ist, was hier brutal und was zart ist.

Was hier so putzig aussah war ein dreistöckiges Wohn- und Gechäftshaus in rotem Backstein, dessen Erdgeschoss ein Wirtshaus beherbergte und dessen obere Etagen als Wohnung dienten. Es war verschnörkelt, mit Erkern, Türmchen und Ziersteinen, vor- und zurückspringenden Elementen, Balkonen und kleinen Dächlein.

 


 

Die Chinesen lieben diese alte deutsche Architektur. Jeden Tag sieht man dutzende von Brautpaaren, ganz in Weiß, die vor den alten deutschen Kirchen in Quingdao posieren und sich fotografieren lassen für das Fotoalbum, das diesen Höhepunkt des Lebens verewigen soll.

Als der alte deutsche Bahnhof abgerissen werden sollte, bildete sich sogar eine Bürgerinitaive, der für seinen Erhalt kämpfte, erfolgreich.

Und hoch auf den Hügeln über dem Hang, an dem zur schönen Bucht hin gewandt die alten deutschen Villen in verwilderten Gärten noch heute stehen, haben chinesische Bauherren vor kurzen große Wohnblöcke im Stil der deutschen Gründerzeit gebaut.

Und man sieht, es geht durchaus, man kann diesen alten Stil wieder auflegen, ihn mit leichten Änderungen in etwas Zeitgemäßes verwandeln. 

 Aber es soll nicht verschwiegen werden, dass es in Quingdao auch einen Regierungspalast der Deutschen gibt, der in seinen Ausmassen sich durchaus mit dem deutschen Reichstag in Berlin messen kann, nur mit dem Unterschied, dass das Gebäude in Quingdao wesentlich protziger, auftrumpfender, gewalttätiger und imperialer daherkommt, mit riesigen Quadern, martialischen Ecktürmen und einer die ganze  Bucht dominierenden Größe.


 

Man sieht: Die Wirklichkeit ist nicht so einfach in Dunkel und Hell, Falsch und Richtig zu unterteilen sondern durchwachsen, in alle möglichen Stufen von Grau gemischt.

 

Aber die Frage muss heute klar gestellt werden: Bedeutete die französische Revolution, die Mutter aller nachfolgenden Revolutionen, die die alte feudale, aus dem Mittelalter tradierte Ordnung umstürzte, wirklich einen Fortschritt? Brachte die Ermordung der russischen Zarenfamilie und die Installierung der sowjetischen Diktatur einen Fortschritt? Bedeutete die Absetzung, der Abgang des deutschen Kaisers wirklich einen Fortschritt?

 

Wir wissen heute, dass die französische Revolution kein spontaner Aufstand des Bürgertums und verarmten Kleinbürgertums waren, sondern  von Geheimbünden geplant, initiiert und geleitet wurde, der Anteil von Geheimbündlern an der Zahl der führenden Revolutionäre war sehr hoch. Diese Geheimbünde waren nicht christlich inspiriert, im Gegenteil: Ihre Stossrichtung war klar gegen das Christentum gerichtet, Christen wurden nach der Machtergreifung in ganz Frankreich verfolgt, Kirchen geschändet, zerstört oder für andere Zwecke verwendet. Die Revolutionäre installierten ein Terror-Regime, das öffentlich Tausende von Menschen hinrichtete. Aus den revolutionären Wirren wurde schliesslich Napoleon geboren, der ganz Europa mit Kriegen überzog und Hunderttausende Menschenleben für seine Großmachtsträume opferte.

Ebenso waren die vielen Aufstände, Rebellionen und Revolutionen, die Europa im 19. Jahrhundert erschütterten von Illuminaten und Freimaurern angezettelt, die politische Parteien nur als Tarnung benutzen, um ihre Ziele zu erreichen.

 

Die Machtergreifung der Bolschewiken mit Lenin an ihrer Spitze in Russland  war eine  sorgfältig geplante militärische Operation, die eine kleine Zahl von international in Geheimgesellschaften organisierten Verschwörern, mit Unterstützung amerikanisch-jüdischer Oligarchen und dem deutschen Kaiser an die Macht brachte. Die neuen Machthaber, die sich in revolutionäre Uniformen kleideten, ermordeten nach ihrem Putsch  Millionen von Russen, töten dreihunderttausend christliche Priester, brannten Tausende von Kirchen nieder. Millionen von Rubeln, Gold und Schmuck verließen kurz nach der Machtergreifung das Land und landeten auf den Konten der amerikanischen Geldgeber. Und das alles soll ein Fortschritt gewesen sein?

 

Aber sind das nicht alles völlig belanglose Fragen, die auf ein „Was wäre wenn...“ zielen, was wäre wenn es diesen Umsturz nicht gegeben hätte?

Gibt es irgendjemand, der sich ernsthaft nach diesen alten Verhältnissen zurücksehnt, der einen deutschen Kaiser wieder haben will mitsamt seiner Macht und der damit verbundenen Macht der Adligen, die seine Macht getragen hatten?  Nicht einmal ich, der Liebhaber der Architektur der Kaiserzeit.

 

Andererseits hat sich gerade in den letzten Jahren in der angelsächsischen Welt der Historiker die „Was wäre wenn-Frage“ zu einem ernsthaften und ernstgenommenen Ansatz der Untersuchung entwickelt. Nur mit dieser Frage können man die Entscheidungs-Optionen in der jeweiligen historischen Situation klar herausarbeiten und die sich zu diesem Zeitpunkt bietenden Möglichkeiten genauer gegeneinander abwägen, bewerten und verstehen. Was stand auf dem Spiel?

 

Im Falle des deutschen Reichs unter Kaiser Wilhelm stand auf dem Spiel, dass sich dieses Reich unter seiner Führung durchaus zu einem modernen, industriell hoch entwickelten, wirtschaftlich und kulturell blühenden Staat, mit starken Rechten der Gewerkschaften, mit sozialstaatlich gesichertem Wohlstand und relativ starken  demokratischen Rechten der Bevölkerung hätte entwickeln können. Es war auf dem besten Weg dahin.      

Das deutsche Reich unter Kaiser Wilhelm muss jedenfalls neu und weitaus positiver bewertet werden als das bislang zumeist getan wurde.

 

Ich zitiere hier aus der von Wolfgang Müller und Roland Siegert herausgegebenen Internet-Seite „Wilhelm II.“

(http://www.wilhelm-der-zweite.de):

 

Deutschlands großer Sprung nach vorn

Das vergessene Goldene Zeitalter:
Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur im Deutschen Kaiserreich

 

Im Kaiserreich unter Wilhelm II. erlebte Deutschland eine Glanzzeit; sie endete erst 1914 jäh mit Beginn des 1. Weltkrieges. Bis dahin gab es bahnbrechende Erfolge in Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur – und Deutschland wurde zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt. Heute verbinden wir mit diesem sprichwörtlich Goldenen Zeitalter in erster Linie Militarismus und Untertanengeist – ein leichtfertiges und grotesk eindimensionales Urteil, wie die folgenden Fakten zeigen.

 
 
Wirtschaft

 

Die wilhelminische Gesellschaftsordnung bot neben einem hohen Maß an politischer Freiheit auch einen Rahmen, in dem sich die gesamte wirtschaftliche Freiheit voll entfalten konnte. Milton Friedmans (Ökonom und Nobelpreisträger, 1912–2006) Diktum, wonach sich politische und wirtschaftliche Macht in einer solchen Ordnung trennen und sich gegenseitig neutralisieren, trifft auf das damalige Wirtschaftssystem durchaus zu.


Hohenzollern-Deutschland war als konstitutionelle Monarchie ein Rechtsstaat, in dem Wirtschaft und Bildung eine bis dahin unerreichte Blütezeit erlebten.

Nüchterne volkswirtschaftliche Kennziffern – auch im internationalen Vergleich – sprechen eine deutliche Sprache:
Die durchschnittliche deutsche Arbeitslosenquote zwischen 1871 und 1914 betrug lediglich 1-2% (zum Vgl.: Großbritannien: 5-10%, Frankreich: 6-10%). Das durchschnittliche Wachstum der Wirtschaft zwischen 1896 und 1913 lag bei 3,4% jährlich.
Die Preise verhielten sich, bedingt durch den Goldstandard (offiziell seit 1.6.1909, in praxi schon seit 1875/76) und die geringe Staatsverschuldung, stabil, was sich auch anhand der Preissteigerungsrate ablesen läßt: Die jährliche Inflation zwischen 1871 und 1914 betrug gerade einmal 0,48%.

 

Einer freiheitlichen Wirtschaftsordnung, die weitgehend freien Wettbewerb, Rechtssicherheit, Privateigentum und Gewerbefreiheit gewährte, stand eine auf Effizienz und Effektivität hin orientierte Staatsverwaltung gegenüber. Auf 65 Millionen Einwohner im Deutschen Reich kamen 1891 nur 600.000 Verwaltungs- und Justizbeamte. Die Steuerlast pro Kopf war auch im Vergleich zu der Großbritanniens oder Frankreichs niedrig; der Staat hielt sich mit Eingriffen in die Wirtschaft eher zurück, so betrug die Staatsquote im Kaiserreich lediglich 14% (heute 47%).


Die Quote der Selbständigen war enorm hoch, die Unternehmen verfügten im Durchschnitt betrachtet über eine gute Eigenkapitaldecke. Der Grad der außenwirtschaftlichen Verflechtung in Europa erreichte eine Intensität, die erst wieder in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts erreicht wurde. Dies betrifft auch Schlüsselbranchen wie die Montanindustrie.

 

Dabei ist zu ergänzen, daß das damalige Deutschland mit gewaltigen sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen fertig werden mußte. Der rasante Übergang von einem Agrarstaat zu einem Industriestaat, das stetige Bevölkerungswachstum (1871: 40 Millionen Einwohner, 1914: ca. 68 Millionen Einwohner in Deutschland) sowie die zunehmende Internationalisierung des Warenverkehrs stehen stellvertretend für den epochalen Modernisierungsschub des Kaiserreichs:

 

“Während die Landwirtschaft ein Sorgenkind des Kaiserreichs blieb, setzte in den 1880er Jahren ein enormes Wachstum der Industrie ein. Das galt nicht nur für die Schwerindustrie, sondern vor allem für neue Industriezweige. So wurde die Elektroindustrie durch bahnbrechende Erfindungen, wie des Elektromotors und der Glühlampe, beflügelt. Alles in den Schatten stellte die chemische Industrie. Das von Bayer produzierte Schmerzmittel Aspirin wurde zum globalen Verkaufsschlager. Zu Beginn der 80er Jahre verfügte die chemische Industrie Deutschlands auf dem Weltmarkt über einen Anteil von fünfzig Prozent, der bis zur Jahrhundertwende auf neunzig Prozent gesteigert werden konnte.


Einen wesentlichen Beitrag zum wirtschaftlichen Aufschwung leistete das Bankensystem. Zu der Vielzahl kleiner und kleinster Privatbanken kamen seit Beginn der 1870er Aktienbanken, die sich zu Großbanken entwickelten. Sie versorgten in dem kapitalarmen Deutschland die Industrie mit den nötigen Krediten. (…)


So schrumpfte der Abstand zur ersten Wirtschafts- und Handelsmacht England rapide. Bis 1914 hatte Deutschland den britischen Konkurrenten fast eingeholt und in zukunftsträchtigen Industrien weit hinter sich gelassen.“


Ralf Georg Reuth:
Deutschlands vergessene Blütejahre. In: Welt am Sonntag, 15.01.2006

 

Die wirtschaftliche Prosperität des Kaiserreichs war kein auf die Oberklasse beschränktes Phänomen. Schon dem jungen Kaiser Wilhelm II. lag viel daran, gerade auch die Arbeiter als „Vierten Stand“ in das neue Deutschland zu integrieren. Der Monarch verfolgte vor allem in den ersten Jahren nach seinem Herrschaftsantritt den Kurs eines sozialen „Volkskaisertums“, das eine Ausbeutung der unteren Schichten durch die Industrie eindämmen sollte, was – trotz mancher Inkonsequenz seitens der Regierung und bleibender gesellschaftlicher Spannungen – gelang.

Golo Mann beschreibt die damalige Situation so:

 

„Die wirtschaftliche Blüte kam, solange sie dauerte, den breiten Volksmassen zugute. Bewundernswertes in der Förderung des Gesunden und Schönen leistete die Selbstverwaltung der Kommunen. Von weither kamen die Fremden, die in der geistreichen Arbeitswelt Berlins, in der behaglich freieren, gastlichen Atmosphäre Münchens oder Dresdens zu leben wünschten. Auf die Errungenschaften des liberalen Zeitgeistes war Verlaß. Mochte das Beamtentum rauhbeinig sein, es kannte seine Pflichten und die Rechte der Bürger. (…)
Das Deutsche Reich war damals ein in seiner Wirklichkeit ungeheuer starker, konzentrierter, von dem Motor einer machtvollen Industrie vorwärtsgetriebener Nationalstaat.“


(Golo Mann: Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Frankfurt 2004, S. 499)

 

Die wirtschaftliche Erfolgsgeschichte des Kaiserreichs schuf breiten Wohlstand. Dieses – in der Retrospektive – „goldene Zeitalter“ fand erst mit der Katastrophe des Ersten Weltkrieges ein jähes, aber keineswegs zwangsläufiges Ende.


Der Brite Niall Ferguson meint: „Ganz sicher kann man heute nicht mehr die Ansicht vertreten (wie es Marxisten lange getan haben), der Erste Weltkrieg sei die Folge einer Krise des Kapitalismus gewesen, denn er beendete im Gegenteil eine Periode außergewöhnlicher globaler Wirtschaftsintegration, mit relativ starkem Wachstum und niedriger Inflation.“
(Niall Ferguson: Krieg der Welt. Berlin 2006, S. 15)

 
Bildung und Wissenschaft

Eine entscheidende Ursache dieses „ersten deutschen Wirtschaftswunders“ (Ehrhardt Bödecker) lag in dem modernen und leistungsfähigen Bildungswesen der wilhelminischen Epoche. Das dreistufige Bildungssystem (Volksschule, Realschule, Universität) erwies sich als zeitgemäß und effizient, da es nicht nur gesellschaftlichen Eliten zugute kam, sondern in der Breite wirkte und damit den immensen Bedarf einer jungen dynamischen Wirtschaftsmacht an gut ausgebildeten Menschen erfüllen konnte.
Die deutsche Analphabetenquote betrug um die Jahrhundertwende weniger als 1% (Frankreich: 10%, USA: 12%, England 9,6%).

 

Entscheidende Weichenstellungen für die Schulpolitik waren die beiden Schulkonferenzen von 1890 und 1900, die beide auf Initiative des Kaisers zustande kamen und seine modernen Ideen in der Lehrplangestaltung berücksichtigten.

Besonders die Universitäten des Kaiserreichs gehörten zu den modernsten wissenschaftlichen Einrichtungen der damaligen Welt. Von 1901 (erstmalige Verleihung des Nobelpreises) bis 1918 ging mehr als ein Drittel (insgesamt 21!) aller Nobelpreise für wissenschaftliche Arbeiten an Forscher aus dem deutschen Kaiserreich.

 

Berlin galt als Weltzentrum der Physik. Max Planck holte 1914 Albert Einstein an die Preußische Akademie der Wissenschaften in Berlin, wo er 1915 die allgemeine Relativitätstheorie veröffentlichte. Auf dem Gebiet der Naturwissenschaften, vor allem in der Grundlagenforschung, hatten deutsche Forscher alle anderen Länder überflügelt.


Namen wie Emil Behring und Paul Ehrlich (Medizin), Max Planck und Albert Einstein (Physik) oder Otto Hahn (Chemie) stehen stellvertretend für eine „Nation im Rausch der Erkenntnis“. Studienaufenthalte in Deutschland waren international begehrt – in manchen naturwissenschaftlichen Fächern waren bis zu 30% der Studenten aus dem Ausland. Besonders intensiv war der Wissensaustausch mit den USA, wo Forschung und Lehre sowie die Organisationsstruktur deutscher Hochschulen zum Vorbild genommen wurden. Deutsch galt als weltweite Wissenschaftssprache.

 

Die Grundlage dieser Erfolge waren in erster Linie die hervorragenden institutionellen Rahmenbedingungen sowie die bahnbrechende Aufbauarbeit des „Bismarck des Hochschulwesens“, Ministerialdirektor Friedrich Theodor Althoff. Er konnte sich während seines jahrzehntelangen Wirkens (1882-1907) stets größter Sympathie und Rückhalts bei Wilhelm II. sicher sein. Der Wissenschaftsbegeisterte Kaiser hatte zweifellos die Zeichen der Zeit erkannt und forderte von Anfang ein praxisnahes und zeitgemäßes Bildungswesen:


„Wir stehen an der Schwelle der Entfaltung neuer Kräfte. Das neue Jahrhundert wird bestimmt durch die Wissenschaft, inbegriffen die Technik, und nicht wie das vorige durch die Philosophie. Dem müssen wir entsprechen.“

 

Dem zielgerichteten wissenschaftspolitischen Engagement Wilhelms II. folgte die Durchsetzung des Universitäts-Charakters der technischen Hochschulen (TH Danzig, TH München, TH Breslau, etc.), die 1899 das Promotionsrecht und eine Rektoratsverfassung erhielten. Damit waren sie den klassischen Universitäten gleichgestellt.

 

Das „System Althoff“ beruhte auf gezielter Auswahl und Förderung von wissenschaftlichen Talenten, der geschickten Bündelung unterschiedlichster Interessen (Industrie, Professoren, Staat) und der Unterstützung durch den Monarchen. Die Anstrengungen Althoffs finden ihren Höhepunkt in der Gründung der „Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften“ (KWG, Sitz in Berlin-Dahlem) im Jahre 1911, zwei Jahre nach Althoffs Tod. Genau drei Monate vorher hatte Kaiser Wilhelm II. aufgerufen, unter kaiserlichem „Protektorat und Namen eine Gesellschaft zu gründen, die sich die Errichtung und Erhaltung von Forschungsinstituten zur Aufgabe stellt“.

 

Diese Institution beruht auf dem – damals revolutionären – Ansatz einer Forschungsvereinigung, die größtenteils durch privates Mäzenatentum aus der Industrie mit teilweiser Unterstützung des Staates finanziert wird: eine Forschungseinrichtung völlig neuen Zuschnitts, die keine Verpflichtung zur Lehre kennt und außerhalb der Universitäten spezialisierte, meist um eine Koryphäe ihres Faches gebaute, Institute umfaßt (z.B. Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie, Leitung: Otto Hahn, Doyen der deutschen Kernphysik. Kaiser-Wilhelm-Institut für Physik, Leitung ab 1917: Albert Einstein).
Gemeinsames Ziel dieses „deutschen Oxfords“ war es, der heimischen Wissenschaft eine Spitzenposition in der Welt zu verschaffen.
Erster Präsident der KWG war der Theologe Adolf von Harnack, ebenfalls ein Vertrauter des Kaisers (ihm folgte 1930 Max Planck).


1946 wurde die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft aufgelöst und zwei Jahre später unter dem Namen „Max-Planck-Gesellschaft“ wiedergegründet. Aus keiner anderen Institution gingen bis heute mehr Nobelpreisträger
hervor.

Die Verbreitung der technischen Wissenschaften galt dem Kaiser als „vornehmste landesherrliche Pflicht“. Der Monarch agierte als Brücke zwischen den traditionellen Elementen des Reiches (Heer, Beamtentum, Altpreußen, Junkeradel) und den wissenschaftlichen–technischen Neuerungen der Zeit. Es gelang – trotz der ihm oft zugeschriebenen Unstetigkeit und Oberflächlichkeit – eine insgesamt fruchtbare Symbiose von Alt und Neu.

 

Der Kaiser verfügte über

„ein durchaus profiliertes und für sich stehendes bildungs-, hochschul- und wissenschaftspolitisches Engagement, dessen Spannweite und Intensität von keinem anderen zeitgenössischen Monarchen gehalten wurde. Auf diesem Gebiet waren die kaiserlichen Impulse effektiv, produktiv und teilweise außerordentlich innovativ“.
(Frank-Lothar Kroll: Preußens Herrscher. München 2000, S. 303)

 
Weltweite Aktivitäten

 

Bisweilen erreichten diese Impulse sogar die Grenzen der damals bekannten Welt: In den Jahren 1901-1903 finanzierte der Kaiser die erste deutsche Südpolexpedition unter der Leitung des Geographen Dagobert von Drygalski mit 1,2 Millionen Goldmark. Das dabei erkundete arktische Territorium (Februar 1902) wurde konsequenterweise „Kaiser-Wilhelm-II.-Land“ genannt, (87°3' Ost und 91° 54' West), heute ist es Teil des australischen Antarktis-Gebietes.

Eine zweite deutsche Expedition (1911/1912), die die Durchquerung des „weißen Kontinents“ zum Ziel hatte, scheiterte.

Generell war die deutsche Präsenz auf den Weltmeeren in der wilhelminischen Epoche von überragender Bedeutung: Nicht nur eine starke Flotte, sondern gerade auch die weltweite Handelsschiffahrt waren Voraussetzung für die „Weltgeltung“ des Landes.

 

Regelmäßig abgehende Dampfschiffe verbanden die deutschen Häfen mit den entlegensten Ecken der Welt und wurden neben Eisenbahntrassen und Telefonleitungen zu den Lebensadern einer bemerkenswerten internationalen Arbeitsteilung.

 

„Das Interesse des Kaisers galt vor allem der Passagierschiffahrt. Hier verlief die Entwicklung besonders dynamisch und wurden die größten Schiffe überhaupt gebaut. Während der Regierungszeit Wilhelms II. wuchsen die größten Passagierschiffe von etwa 10.000 auf 50.000 Tonnen.
Die beiden großen deutschen Reedereien, der Norddeutsche Llyod (NDL) in Bremen und die Hamburg-Amerikanische Pacetfahrt-Actiengesellschaft (HAPAG) in Hamburg, gehörten zu den weltweit größten Schiffahrtsunternehmen. Als der amerikanische Bankier J.P. Morgan nach der Jahrhundertwende mit seinen Plänen für einen großen Schiffahrtskonzern deren Selbständigkeit zu bedrohen schien, rief dies den Kaiser auf den Plan, der auf ein von ausländischen Einflüssen unabhängiges Reedereigeschäft Wert legte.“
(Wolfgang König: Wilhelm II. und die Moderne. Paderborn 2007, S. 45)

 

Einer, der die Zeichen der Zeit erkannte und eindrucksvoll nutzte, war der jüdische Hamburger Reeder und dynamische Vorzeige-Unternehmer par excellence Albert Ballin (1855-1918), der – aus einfachen Verhältnissen kommend – aus der HAPAG die größte Reederei der Welt machte. Ballin war wie andere Wirtschaftsführer (Friedrich Albert Krupp, Emil Rathenau) und Ingenieure (Funktechniker Adolf Slbay, Maschinenbauer Alois Riedler, Wasserbauer Otto Intze und Photochemiker Adolf Miethe) einer der engsten Vertrauten aus dem technisch-industriellen Umfeld des Kaisers.

 

Kultur und Gesellschaft: Nur ein „Untertanenstaat“?

 

Plakative Schlagworte sind der Treibstoff allen Geschichte-Erzählens. Jedoch ist es ganz hilfreich, zuweilen die Fakten in Augenschein zu nehmen, um das eine oder andere tradierte Urteil einem „Praxistest“ zu unterziehen. Kaum ein Vorurteil hielt sich so lange wie die
„Sage von der illiberalen und repressiven Gesellschaft im deutschen Kaiserreich“
(Tilman Krause: Unter Wilhelm Zwo war es gar nicht so. In: Die Welt, 27.05.2006).


Denn unvoreingenommene Historiker gestehen der wilhelminischen Epoche durchaus eine „zeittypische Modernität“ zu.

So pflegte das Kaiserreich einen – für damalige Verhältnisse – großzügigen Umgang mit Minderheiten. Der renommierte britische Historiker Niall Ferguson kommt in seinem neuesten Werk zu dem Urteil:

„In der Tat litten die Juden im Kaiserreich unter keinerlei gesetzlicher Diskriminierung, und der Zugang zu Bildung und Berufsleben stand ihnen mindestens so weit offen wie anderswo in Europa.“ (Niall Ferguson: Krieg der Welt. Berlin 2006, S. 147).


Die führenden Verleger der Zeit waren jüdischer Herkunft: Mosse, Ullstein, Singer, Sommermann, Fischer.

Die Medienlandschaft des Kaiserreichs war von außergewöhnlicher Pluralität geprägt:
Um 1900 erschienen in Deutschland 1.200 Zeitungen, Magazine und Zeitschriften, darunter über 100 Tageszeitungen, 65 mit klar politischer Ausrichtung. Selbst während des Ersten Weltkrieges konnte beispielsweise die englische „Times“ in Berlin von jedermann gekauft werden.

 

Auch wenn der Kaiser selbst mit der modernen Kunst wenig anzufangen wußte (sie war ihm zu destruktiv), so konnte sich dennoch eine moderne Kunstszene ganz offen etablieren: Die Berliner Secession um Max Liebermann, die ab 1905 eine Ausstellungshalle mitten am Kurfürstendamm bezog, zeigte Kunstwerke von Käthe Kollwitz, Max Beckmann, Paul Klee, Wassily Kandinsky und Pablo Picasso und machte Berlin zur modernen Kunstmetropole.

 
Fazit

 

Das Kaiserreich kann nicht pauschal auf einen „Untertanen- und Militärstaat“ reduziert werden. Die 30jährige Regierungszeit des letzten Deutschen Kaisers bedarf eines differenzierteren Urteils.

David Fromkin, Geschichtsprofessor an der Boston University, schrieb:

 

Ein Porträt von dem Deutschland vor gut 100 Jahren wäre nicht vollständig, wenn man nicht seine hervorragende kulturelle und wissenschaftliche Stellung erwähnen würde. 'Einsteins Deutschland', wie Fritz Stern es genannt hat, war bereit, die Welt in der Lehre und in den Wissenschaften anzuführen. Es brachte großartige Werke der Literatur und der Musik hervor. Deutsch war die Sprache der Wissenschaft. Wer sich Hoffnungen auf eine Karriere in der Philologie machte, in der Philosophie, der Soziologie oder den Naturwissenschaften, war gut beraten, eine deutsche Universität zu besuchen. Die Deutschen waren das wohl kultivierteste Volk auf der Welt.“ (David Fromkin: Europas letzter Sommer. München 2005, S. 85f.)

 

Und der große jüdische Preußen-Kenner H.J. Schoeps kam vor über 30 Jahren zu dem Schluß:


„Bei einer historisch gerechten Würdigung des Kaisers, nach dem das Zeitalter seinen Namen hat, muß man eines wohl an die Spitze stellen: Ohne den Ausbruch der Weltkatastrophe von 1914, für die er nichts kann, würde das Urteil über seine Regierungszeit zweifellos günstiger ausfallen.“

(Hans-Joachim Schoeps in Otto-Ernst Schüddekopf (Hrsg.): Herrliche Kaiserzeit. Berlin 1973, S. 13)

 

„Als 1871 in Versailles das neue Deutsche Reich gegründet worden war, hatten die Schweizer eher skeptisch darauf reagiert. Preußen, die Führungsmacht, hatte keinen guten Ruf – die Republikaner verabscheuten das undemokratische Königreich.
Doch seither hatte Deutschland einen sagenhaften Aufschwung erlebt. Neben den USA war es bis vor dem Ersten Weltkrieg das dynamischste und modernste Land der Welt geworden: Seine Wirtschaft brummte, bald überholte sie die britische, vor allem die deutsche Wissenschaft genoss Weltruhm. Damals kamen die amerikanischen Studenten nach Deutschland, um zu studieren, nicht umgekehrt. Harvard kopierte die deutschen Vorbilder: Berlin, Heidelberg, Göttingen, Breslau. Es waren Namen, die klangen wie heute Yale, Stanford oder Princeton.


Niemand wurde in der Schweiz daher mehr bewundert als der deutsche Professor, der deutsche Ingenieur, der deutsche Unternehmer, aber auch der deutsche Offizier.“


                                   
Markus Somm. In: DIE WELTWOCHE (Zürich), 18.02.2010, S. 35

 

 Zitat-Ende

 

Wer hätte das gedacht: Die heute weltberühmte Stanford University in Kalifornien wählte 1891 einen deutschen Leitspruch zu ihrer Gründung, der lautete: „Die Luft der Freiheit weht“

Und das zu der Zeit als Deutschland noch einen Kaiser hatte: „Die Luft der Freiheit weht“

 

Dass Deutschland die Alleinschuld am Ausbruch des 1.Weltkriegs zukommt, mag heute kein Historiker weltweit mehr behaupten: England hat seit Hunderten von Jahren die Politik verfolgt, den jeweils stärksten auf dem europäischen Kontinent zu bekämpfen und das war zu dieser Zeit eben das deutsche Reich, außerdem fühlte England sich bedroht von einem raketenhaft aufsteigenden, wirtschaftlich immer stärker werdenden Deutschland, Frankreich wollte Rache für die Niederlage 1870 und Elsass Lothringen wieder haben, Russland wollte in den Balkan vordringen. Kolonien zu haben und noch mehr haben zu wollen, kann man dem deutschen Reich nur dann vorwerfen, wenn man es den anderen europäischen Grossmächten auch vorwirft:

Russland, England, Frankreich, Spanien, Portugal, Belgien und Holland hatten sie, die anderen wollten sie haben, es entsprach dem Geist der Zeit. 

 

Vergleicht man heutige Wohn-Häuser mit denen aus der Kaiserzeit, so hat man zunächst diesen schlagenden Unterschied: Bei modernen Häusern hat man auf einen Blick alles erfasst. Sie sind so einfach in der Konstrution und der Gestaltung der Fassaden. Bei den kaiserlischen Häusern kann man lange verweilen und sich in ihren Anblick vertiefen, weil sie so viel dem Auge bieten: Ihre innere Differenziertheit, die reiche Vielfalt der gestalterischen Mittel, das Vor-und Zurückspringen, die Säulen, die Dächlein und Türmchen, ihre künstlerisch gestaltete Oberfläche, ihre Verzierungen, aufgebrachten Gemälde und Skulpturen. In jedem Winkel steckt Kunst und Kunsthandwerk, sehr viel Arbeit und Kunstverstand ist eingebracht und ausgestellt.

 

Dann die viel stärkere emotionale Aufladung der kaiserlichen Häuser, sie sprechen viel stärker das Gemüt an, das Kindliche im Menschen.

Moderne Häuser wirken kalt, abweisend, hart.

Viel Vergangenheit schwingt bei kaiserlichen Häusern mit, sie sind historistisch, nehmen gestalterische Elemente aus vielen Jahrhunderten in sich auf und kombinieren sie neu. Sie drücken das Empfinden aus, sich aufgehoben zu fühlen in einer Traditionslinie, die bis ins Mittelalter und noch weiter zurückreicht.

In modernen Häusern schwingt nichts mit. Sie sind bodenlos neu, sie sind aus ihren Wurzeln herausgerissene Fremdlinge, sie stehen kalt, tot und dumm herum.

 

Trotzdem sind die kaiserlichen Häuser modern, weil groß, hell, hoch, großzügig gestaltet mit hohen breiten Fenstern, die viel Licht in die Räume lassen, mit zahlreichen Veranden und Balkonen, die es erlauben ins Freie zu treten. Die Modernität dieser Architektur kommt dann klar zum Ausdruck, wenn man die Häuser ohne die originale Fassadenverzierungen sieht, also nackt in ihrer rohen Architektur. Dann wirken diese Häuser plötzlich sehr zeitgemß, historistisch ja, aber dieser Historismus wirkt modern, weil er eben frei mit alten Elementen etwas Neues gestaltet, spielerisch Überkommenes in eine neue Synthese bringt.

Und sie wirken wohl gegründet, stolz und stark stehend. Sie drücken die wirtschaftliche Kraft aus, die ihre Zeit beseelte, es sind prächtige breitbrüstige Häuser mit starken Fundamenten.

 

Und sie wirken harmonisch, alles ist an seinem richtigen Platz, nichts springt über Gebühr nach vorne oder aus dem Gesamtzusammenhang heraus.

 

  

Dieses Gebäude präsentiert genau das Gegenteil.  Zaha Hadid hat es entworfen.

Oder dieses von Frank Gehry:

 

 

Das sind willkürliche Zuckungen einer aus den Zügeln geglittenen, irsinnig gewordenen Subjektivität, die auf Sensationslust aus ist und Attraktion der Massen.

 

Die kaiserlichen Häuser legen Wert auf innere Ausgewogenheit, Balance, eine wohl gegründete innere Ordnung. Und diese Ordnung hat sicher etwas damit zu tun, dass der oberste Repräsentant dieser Ordnung, der Kaiser, sich als oberster Herr der deutschen protestantischen Priesterschaft verstand, dass dieses Reich sich im Metaphysischen begründet sah und als ihren obersten Herren Gott erkannte.  

 

 

Ps.: Je länger ich mir die Bilder der auf dieser Seite abgebildeten modernen Gebäude anschaue, desto interessanter, faszinierender finde ich sie. Ja geradezu schön.

 

Ps.2 :  Wäre ich in der Wilhelminischen Zeit geboren worden, wäre ich wahrscheinlich als Revoluzzer im Knast gelandet. Und schön sind diese kaiserlichen Häuser ja, man musste sie sich aber auch leisten können. Die Arbeiter in ihren Hinterhöfen hatten es dagegen schön schattig.