Jesus: Ganz schwach

 

Oder: The harder they come the harder they fall

 

Gedanken zu einer Predigt von Pastor Martin Wahl, Kirche des Nazareners, Berlin, März 2015

 

Ja Pastor Wahl hat Recht: Wenn Jesus uns hilft, wenn wir seine Macht und Gnade spüren, wenn der heilige Geist uns unterstützt und anfeuert, wenn Wunder geschehen, der Heilung, der Erneuerung, der unglaublichen Zufälle, die für uns Gläubige, die wir dafür gebetet haben, keine Zufälle, sondern Fügungen sind, dann ist es leicht für uns, Jesus zu preißen, ihn zu danken, ihn zu verherrlichen. Aber wenn er schwach ist und einsam und verlassen und stirbt elend am Kreuz.....

Sind wir dann noch bei ihm?

Wenn die plumpen und brutalen Söldner über ihn lachen, alle, die als seine Anhänger verdächtigt werden, Angst haben, ebenso in Schwierigkeiten zu geraten wie ihr geliebter Meister, wenn er nicht der Siegreiche, der Starke, der Herrscher, der allgewaltige König ist, sondern ein kleiner jämmerlich schwacher und hilfloser Mensch,

sind wir dann noch bei ihm, ist er dann noch unser Held und was für ein Held ist das denn?

 

 

 

Das Johannes Evangelium beschreibt im Kapitel 12 den umjubelten Einzug Jesus in Jerusalem und den entscheidenden Punkt der Wende, an dem aus dem gefeierten Erlöser der Massen, dem Messias und lang ersehnten König der Juden ein gehasster Hochstapler und Schwächling wurde, den man wenige Wochen später ans  Kreuz nagelte und verrecken liess wie einen nichtswürdigen Hund. Der Ruf Jesu als Wunderheiler, wortgewaltiger Redner und  mit mysteriösen übernatürlichen Kräften begabten Menschen hatte sich in ganz Judäa herumgesprochen, jetzt wollte man es auch glauben, dass er es ist, der so lange vorausgesagt und erwartet worden war, der von Gott gesandte mächtige Engel der Rache, der alle Römer aus dem Land werfen, die verhassten Kollaborateure, Zöllner, und Statthalter der Römer bestrafen und ein neues Reich errichten würde in dem Frieden Freiheit und Wohlstand herrschen würde, neue Zeiten waren gekommen, das Unglaubliche war wahr geworden, der Messias war da! Es hatte sich wie ein Lauffeuer herumgesprochen, die Menschen waren Feuer und Flamme und jubelten.

 

Und dann das: Was für eine klägliche Gestalt, reitet auf einem Esel und als er auf seine Rolle angesprochen wird, die er zu spielen gedenke, spricht er dunkel von seinem Tod und noch schlimmer, verlangt von seinen Verehrern, dass sie ihm auf diesem Weg auch noch nachfolgen.

Er lässt nicht die Posaunen erschallen, die die Mauern zu Einstürzen bringen, er richtet nicht mit Feuer und Schwert, er lässt sich abführen, fesseln, bespucken und auslachen, schlagen und quälen und stirbt elendiglich an der Seite von Schwerverbrechern.

Das ist ganz schwere Kost und auch heute noch habe ich daran zu kauen.

Jesus: Ganz schwach!

Jesus ganz unten.

Jesus fertig.

Am Ende.

Aus.

 

Aber dann das Unglaubliche: Jesus lebt, wieder, lebt wieder.

 

Geistert herum, erscheint seinen Jüngern, einzelnen, dann allen, dann Hunderten, der heilige Geist beseelt die Versammelten. Ein Wunder ist geschehen.

Es hatte also Sinn, er war und ist das Opferlamm, er selbst hat sich geopfert, es ist sein Blut das er hingegeben hat für uns, seinen Leib hat er quälen lassen, um uns zu retten. Alle die ihm folgen und ihm glauben, die seine Mission verstehen und wahrhalten, werden gerettet werden, an seiner Hand wird er uns zu seinem Vater führen als seine geliebten Kinder und egal wie viele Fehler wir begangen habe, der Vater sieht uns als die geliebten schmutzigen Schmuddel-Kinder seines geliebten Sohnes Jesus und liebt uns so wie seinen Sohn, wir können spielen für immer im Sandkasten der Himmlischen....

 

Dennoch, das grosse Gericht, die grosse Richtigstellung der hieisgen Ver-rücktheiten, die Richtigstellung all dessen, was um uns herum und in uns an die falsche Stelle gerrückt worden ist, ist verschoben auf einen Tag, den wir nicht wissen. Er mag sehr bald kommen, er mag in Tausenden von Jahren erst kommen, wir wissen es nicht.

 

Wenn ich an Jesu Tod denke, dann streiten sich zwei Bilder in mir:

Das eine stammt aus dem alten Testament, wo von wenigen Ausnahmen abgesehen, alle diejenigen, die aufrichtig versuchten Gottes Anweisungen in die Tat umzusetzen, mit reichem Segen schon in diesem Leben belohnt wurden, mit blühenden Feldern und satten Ernten, mit vielen Kindern, liebenden Gatten und Gattinen, wachsendem Wohlstand, Ansehen und Frieden.

Und all diejenigen, die abirrten und andere Götter anbeteten oder sonstige frevelhafte Dinge taten, wurden hart bestraft mit dem Verlust ihres Wohlsandes, mit Hunger, Seuchen und Krieg.

 

Das andere Bild stammt aus dem neuen Testament, wo Jesus bewusst den Weg in den Tod gewählt und allen seinen Nachfolgern den selben Weg ans Herz legt und die Belohnung ins Jenseits verlagert, erst dort wird der grosse Segen kommen, hier aber kann es durchaus sein, dass wir verfolgt werden und leiden müssen, wenn wir seinen Namen nur erwähnen.

Da ist dann die Versuchung sehr nahe, die schon Jesus selbst zurückgewiesen hat als Einflüsterung des Satans, nämlich den Weg ins Dunkle, in die Katastrophe,  in das Leiden zu vermeiden, und einen ganz anderen Weg zu gehen, von dem Jimmy Cliff gesungen hat in dem legendären jamaikanischen Film „The harder they come“ von 1972:

 

Well they tell you from a py up in the sky

Which is waiting for you when you die

But between the day you are born and when you die

They don’t even hear you when you cry

But as shure as the sun will shine

I gonna get my share now whats mine

And then The harder they come the harder they fall

all and one

Well the harder they come the harder they fall

 

Sie erzählen Dir von einem Kuchen oben im Himmel

Der auf dich wartet, wenn du tot bist

Aber zwischen dem Tag an dem du geboren bis und wenn du stirbst

Hören sie dich nicht, nicht mal wenn du weinst

Aber so sicher wie die Sonne scheint

Werde ich mir jetzt den Teil holen, der mir zusteht

Und je stärker sie mich angreifen desto mehr werden sie fallen

Alle bis zum letzten

Sie werden fallen!