Was es für mich bedeutet, ein Christ zu sein

 

....im Gespräch mit Nicht-Christen....

 

In der esoterischen Szene ist es Mode geworden, Jesus zu begreifen als einen unter vielen spirituellen Lehrern. Auch die Buddhisten denken so. Die Muslime sehen in Jesus einen großen Propheten. Da muss ich leider widersprechen. In meinen Augen ist Jesus der Sohn Gottes, nicht irgend ein spiritueller Lehrer. Es war Gott selbst, der sich in ihm manifestiert ja inkarniert hat, um uns aufzuwecken und den Weg frei zu machen zu Gott, unserem Vater.

Das setzt natürlich voraus, dass man an einen Gott glaubt, eine intelligente Wesenheit, die man als Person verstehen kann, die mit uns kommunizieren kann, die unsere Sprache sprechen kann.

Wenn man sagt, dass Jesus eine privilegierte Stellung unter den spirituellen Lehrern hat, weil er nämlich Gott selber ist, dann spricht man natürlich eine Provokation aus. Dann sagt man: Ihr spirituellen Lehrer, bitte lest mal die Bibel, da ist das Wort Gottes zu finden! Ihr stochert im Nebel herum, habt diese und jene richtige Ahnung, diese und jene richtige Empfindung, aber ihr wisst es nicht, ihr wisst nichts Genaues.  Es gibt aber einen Text, der über alle wesentlichen Fragen, die unser Leben betreffen, sehr klar und deutlich Auskunft gibt.

 

 

 

Es gibt z.B. die ganz einfachen und klar zu verstehenden zehn Gebote.

Nehmen wir mal ein einfaches Beispiel: Du sollst nicht Ehebrechen!

Genauer gesagt, schön wäre es, wenn dieses Beispiel so einfach wäre….

Viele Männer  heute verabscheuen die Ehe und fliehen sie wie ein Teufel das Weihwasser. Von daher können sie diese nicht vorhandene Ehe auch gar nicht brechen. Aber was bedeutet das?  Eindeutig eine Herabsetzung, eine Entweihung des Zusammenlebens von Mann und Frau. Jeder spürt sofort, welcher Ernst, welche Tiefe und welcher heilige Sinn das Zusammenleben von Mann und Frau bekommt, wenn wir es als „Ehe“ betrachten.

 

Natürlich ist die Wahrnehmung der Ehe als Institution von bürgerlichen, gesetzlichen und finanziellen Aspekten belastet. Als frei Treibender denkt man sowieso zu aller erst daran, wie man sich am besten scheiden lassen kann, falls man eine Heirat ernsthaft in Erwägung zieht.  Aber wenn wir für einen Moment diese staatliche Seite des Zusammenseins zur Seite schieben, sehen wir, dass wir eine tiefe Sehnsucht verraten, wenn wir die Ehe verraten. Es ist diese tiefe Sehnsucht nach wahrer und wirklicher Liebe zwischen mir und einer Frau, und die will kein Ende haben, die kann sich ein Ende gar nicht vorstellen. Dass wir Verliebtsein und Liebe verwechseln, also Sex mit Liebe verwechseln ist eine andere Geschichte, aber wir sollten nicht leichtfertig darüber hinweg huschen, dass wir alle ganz tief in unserem Herzen diese Sehnsucht nach unserem Seelenpartner in uns tragen und vielleicht haben wir ihn schon gefunden und leichtfertig für ein sexuelles Abenteuer, das uns verlockte, verscherzt und verloren.

 

Und wie viele Frauen habe ich betrogen, als ich frei treibend die Lust suchte. Ich habe das damals damit gerechtfertigt, dass die Frauen noch nicht so reif seien, mich als mehrere Frauen liebender lieben zu können und um mir ihre negativen emotionalen Reaktionen zu ersparen,  log ich sie einfach an. Und dann flog doch irgendwann alles auf und sie waren verletzt.

Wievielen Frauen habe ich so weh getan…

Und die Mutter meines Sohnes verliess ich, weil ich keine sexuelle Anziehung mehr spürte, völlig unwissend und orientierungslos. Unwissend, dass es beim Zusammenleben mit einer Frau in erster Linie um Liebe geht und dann erst in zweiter oder dritter Linie um Sex. Ich dachte Liebe ist diese Aufgeregtheit der sexuellen Anziehung, wenn eine Frau mich in ihren Bann schlägt, wenn mein Herz höher schlägt, wenn ich sie sehe, wenn ich von ihr träume und wenn ich weiche Knie bekomme in ihrer Nähe, dann sei es die richtige Frau, das sei dann die wahre Liebe.  Ein großer Irrtum, die physiologischen Symptome sexueller Anziehung mit Liebe zu verwechseln.

  

„Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“

sagt Jesus Und das bedeutet natürlich eine ganz andere Ausrichtung meines Lebens. Wenn ich Gott nahe sein will, muss ich mich um die kümmern, die Hilfe brauchen. Denn wenn ich diesen Menschen nahe komme, spreche ich mit Gott.  Ich muss mich um die Armen, die Kranken, die Alten kümmern. Es bedeutet, lieben zu lernen. Den Schwerpunkt darauf zu setzen, zu lieben, nicht darauf, geliebt zu werden.

Natürlich bin ich auch innerlich ein kleines verletztes Kind und brauche Liebe. Aber da ich mich Gott nahe fühle, ihn bei mir weiss, fühle ich mich wie ein Kind auf dem Schoss des Vaters, mein Kopf an seiner Brust, nahe an seinem Herzen und ich fühle seine Liebe.

Und diese Liebe gibt Kraft, zu verzeihen und Liebe zu geben, Aufmerksamkeit zu schenken, Geschenke zu geben, anderen zu helfen, wenn sie Hilfe brauchen.

 

Ich bin ein Anfänger in der Kunst der Liebe.

Ich fange ganz bescheiden an. Wenn in meinem Umkreis jemand Hilfe braucht, versuche ich so gut es geht, zu helfen. Zur Zeit besuche ich jeden Tag einen Kollegen im Krankenhaus, ich bin sein einziger Freund hier in Shanghai. Seine Freundin hat ihn gerade verlassen. Ich schenke ihm meine Zeit und Aufmerksamkeit, höre ihm aufmerksam zu, gebe ihm Rat so gut es mir möglich ist, besorge ihm was er dringend braucht, lade sein Handy auf, hole Pullover aus seiner Wohnung und besorge ihm Bücher zum lesen. Nichts besonderes… wäre mir früher aber einfach lästig gewesen. Ich will mich dessen auch gar nicht rühmen, ich erzähle das nur, um deutlich zu machen, wie ich versuche, zu lieben.

 

Verzeihen gehört auch ganz wesentlich zur Kunst der Liebe.

Ohne das Verzeihen wird das Zusammenleben in einer Partnerschaft zur Hölle. Verzeihen macht es zu einem Tal der Tränen in dem die Blume der Liebe blüht. Ich habe mit meiner chinesischen Freundin diesen Sommer zum ersten mal eine Reise gemacht. Und zusammen zu reisen in einem fremden Land kann zu Stress und der zu Zerwürfnissen führen. Da war es immer wieder notwendig, dass wir uns gegenseitig verziehen. Wir haben daraus eine Art Ritual gemacht und die Tränen flossen reichlich. Tränen die Mauern weg schmelzen, süße Tränen der Liebe.

 

Im Volksmund sagt man, alte Menschen, die früher gottlose Gesellen waren, kriechen im Alter zu Kreuz, weil sie Angst vor dem Tod haben..

Ich sage: Besser sie kriechen im Alter zum Kreuz, als gar nie; Besser sie kriechen aus Angst zum Kreuz, als überhaupt nicht.  Es ist nie zu spät. Vielleicht, ja sehr wahrscheinlich ist es nach dem Tod zu spät!

 

Merkwürdigerweise war es bei mir gar nicht die Angst vor dem Tod, die mich wieder zu Gott geführt hat. Es war Einsicht, ein langsames sich Öffnen für diese Möglichkeit und heute kann ich mir die Welt ohne Gott gar nicht mehr vorstellen und wundere mich, wieso ich so lang habe glauben können, dass es keinen Gott gibt. Dass die Welt ohne Gott sei, kommt mir jetzt äußert unglaublich und unwahrscheinlich vor.  Etwa die atheistische Vorstellung der Wissenschaftsgläubigen, die annehmen, die Welt sei geboren aus einem winzig kleinen Ball Materie, der vor Millionen von Jahren blitzartig explodierte in eine riesige Gaswolke, die allmählich erkühlte und verklumpte in Planeten und Sterne und aus dieser Gaswolke sollen wir aus puren Zufall entstanden sein, rein zufällig. Diese ganze hoch entwickelte Natur, unsere hoch entwickelte Bewusstheit und Intelligenz aus einer seelenlosen, gefühllosen, rein materiellen Gaswolke rein zufällig entstanden…Einfach unglaublich!

 

Als wieder heim gekehrter Sohn sehe ich natürlich aufgrund meiner langen Reise das Alte mit neuen Augen und ich weiß zum Beispiel, dass ich nicht unbedingt einen Priester brauche und das Schlucken eines geweihten Stück Brotes, um Verbundenheit mit Gott herzustellen. Ich habe einen direkten Draht zu Gott wie jeder, der diesen Draht sucht.

 

Denn wir sind oft abwesend und gehen in die Irre, Gott aber ist immer da.

 

Gott ist immer da!

Für uns.

Für Dich!

 

Shanghai, Dez 2008